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Anatolischer Hirtenhund

Rasseportrait Anatolischer Hirtenhund


Der eigensinnige und selbstbewusste Anatolische Hirtenhund benötigt einen Hundehalter mit Erfahrung, weil er sonst mit seinem zur Dominanz neigendem Verhalten das Ruder an sich reißen wird.

Die Herkunft des selbstbewussten Riesen ist bis heute umstritten. Es wird vermutet dass der Anatolische Hirtenhund ein Nachfahre der Jagdhunde aus Mesopotamiens ist. Letztere These wird durch Skulpturen ähnlich aussehender Hunde untermauert. Belege hierfür gibt es aber nicht. Allerdings findet sich in einem Reisebericht aus dem Jahre 1592 Informationen, in denen ein Hund als „Schwarzkopf“ bezeichnet wird, der dem Anatolischen Hirtenhund sehr ähnlich sieht.

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Vierbeiner nach Westeuropa (vorwiegend England) und in die USA importiert. Dort wurde explizit für diese Vierbeiner eine eigene Zuchtstätte aufgebaut und gezüchtet. Den ersten öffentlichen Standard veröffentlichte der FCI am 10. April 1980, worin die verschiedenartigen Hirtenhunde aus der Türkei als „Anatolischer Hirtenhund“ zusammengefasst wurden. Bis dato gab es in der Türkei über diese Hunde keine Zuchtbücher oder kynologischen Verein.

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Die Zusammenfassung bedeutet, dass es keinen reinrassigen Anatolischen Hirtenhund gibt. Vielmehr werden unter dem Oberbegriff mehrere türkische Hirtenhunde zusammengefasst. Folgende Hirtenhunde gehören dazu:

  • Akba
  • Kangal
  • Karaba
  • Kars-Hund

Der Akbar (Übersetzung „Weißkopf“) gilt in der Türkei als eigenständige Rasse. Der Name “Weißkopf“ wurde ihm verpasst, weil ihm die schwarze Maske (typisch für den Anatolischen Hirtenhund) fehlt. Der Kangal gilt in der Türkei als sogenannter Nationalhund, dem die Ausfuhr nur von türkischen Bürgern erlaubt ist. Gezüchtet wurde er von der Familie Kangal. Der Kangal gleicht äußerlich dem Karaba. Die Bezeichnung „Schwarzkopf“ (Übersetzung Karaba) bedeutet, dass von den Karabas die Farbe des Kopfes ausschließlich aus der Farbe „Schwarz“ besteht. Der Kars-Hund ist über die Grenzen seines Heimatlandes der Türkei fast unbekannt.

Das Fell der Anatolischen Hirtenhunde wurde seiner Tätigkeit als Herdenschutzschutz gerecht. Es ist dicht und anpassungsfähig. Letzteres wurde benötigt, da die Vierbeiner unabhängig vom Wetter die ganze Zeit im Freien lebten und auf ihre Herde aufpassten. In ihrer Heimat der Türkei und somit in den anatolischen Weiten herrschen extreme Temperaturunterschiede. Dort kann es heiß und trocken oder auch sehr kalt und windig werden.

Der Körperbau des Anatolischen Hirtenhundes ist groß und gut bemuskelt. Teilweise reicht ihre Widerristhöhe bis an die 90 cm heran und somit zählen sie auch zu den größten Hunderassen der Welt. Die Hirtenhunde sind sehr eigenwillig und sollten daher nur ein Zuhause bei einem erfahrenen Hundehalter finden.


Wesensbeschreibung/Charakter:

Der Anatolische Hirtenhund zählt zu den friedfertigen und wenig aggressiven Hunden, obwohl sie Fremden gegenüber misstrauisch und sehr zurückhaltend sind. Sie bauen eine sehr enge Bindung zu ihrem Halter auf. Droht allerdings Gefahr, werden sie ihre Familie mutig beschützen.

Die großen und kräftigen Vierbeiner benötigen eine konsequente Erziehung. Sie verfallen nämlich bei Inkonsequenz in ein Dominanzverhalten. Daher sind nur erfahrene Hundehalter für die Haltung geeignet. Der Besuch einer Hundeschule vom Welpen-Alter an ist unumgänglich. Der Hirtenhund besitzt nämlich feine Antennen, um Schwächen in der Erziehung sofort zu erkennen und wittert dabei die Gelegenheit, das Ruder an sich zu reißen.

Bei einer souveränen Führung seitens des Halters kann sich der Anatolische Hirtenhund zu einem anhänglichen und treuen Weggefährten entwickeln. In einigen Ländern wird diese Hunderasse (auch Kangal genannt) sogar als Listenhund geführt, d.h. das es für die Haltung besondere Auflagen zu erfüllen gibt. Das kann sein:

  • Wesenstest für den Vierbeiner
  • Hundeführerschein bzw. Sachkundenachweis
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Volljährigkeit des Halters
  • Abschluss einer Hundehaftpflichtversicherung
  • Erhöhte Hundesteuer



Der Anatole gilt als mutig, ausdauernd und wachsam. Daher lassen sich die Vierbeiner sehr gut als Wachhunde einsetzen. Sie können weite Strecken gut und schnell bewältigen und ihre Wachsamkeit verstärkt sich sogar bei Dunkelheit. Charakteristisch für diese Vierbeiner ist ihr Macho-Gehabe, d.h. sie legen ein Territorialverhalten an den Tag. Dabei reagieren sie allerdings nicht aggressiv. Bei fehlender Sozialisierung und Erziehung kann der Hirtenhund auf Artgenossen sehr problematisch reagieren.

Auf die Frage:, „Ob der Anatolische Hirtenhund schwer erziehbar ist?“, kann nicht mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ geantwortet werden. Feststeht jedoch, dass es sich bei den Hunden um keine Mitläufer handelt. Die Vierbeiner benötigen eine feste und verlässliche Hand durch den Besitzer. Haben sie dann Vertrauen gefasst, kann aus dem Vierbeiner ein folgsamer und anhänglicher Freund für die ganze Familie werden.


Auslauf:

Die Größe des Anatolischen Hirtenhundes ist aussagekräftig genug für seinen erhöhten Platzbedarf. Eine Stadtwohnung wird ihm auf keinen Fall gerecht. Ein Haus mit großem Garten und das idealerweise auf dem Lande wäre für die Vierbeiner perfekt. Die Hunde brauchen sehr viel Bewegung auch in Form von ausgedehnten Spaziergängen.

Die Halter eines solchen Hundes müssen sehr viel Zeit für Bewegung und Beschäftigung dieser Rasse mitbringen, vor allem wenn er seiner natürlichen Bestimmung als Herdenschutzhund nicht nachgehen kann. Daher sollte den Vierbeinern auf jeden Fall eine Ersatzbeschäftigung geboten werden. Dazu gehören mehrere Stunden täglich Bewegung an der frischen Luft.

Außerdem benötigen die Vierbeiner eine frühe Sozialisierung, d.h. es muss eine Hundeschule besucht werden. Der Anatolische Hirtenhund gehört zu den eigensinnigen Hunden, die sich ungern unterordnen. Die Erziehung sollte daher durch liebevolle Konsequenz erfolgen, damit das Zusammenleben mit dem imposanten Vierbeiner nicht aus dem Ruder gerät. Es kommen daher nur erfahrene Hundehalter für diese Hunderasse infrage.


Pflege:

Der Pflegeaufwand für den Anatolischen Hirtenhund ist relativ hoch. Aufgrund seiner imposanten Erscheinung und demzufolge seines reichlich vorhandenen Felles gestaltet sich die Fellpflegeetwas aufwendiger. Das dichte Fell muss mehrmals wöchentlich gründlich gebürstet werden. In Zeiten des Fellwechsels benötigt der Vierbeiner eine noch intensivere Pflege. Lebt der Vierbeiner im Haus, so werden die Halter nicht erfreut über die reichlich herumfliegenden Haare des Hirtenhundes sein.

In früheren Zeiten als sie noch als Hirtenhunde fungierten, lebten die Vierbeiner ausschließlich bei ihrer Herde und somit gab es keinerlei Pflege für den Hirten. Letzteres lag daran, dass es sich um robuste und zähe Hunde handelt. Folglich sind keine rassetypischen Krankheiten bekannt. Dennoch sollte auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Hunderassen braucht der Hirtenhund kaum Fleisch. Ihm genügen mehrere kleinere Essensportionen über den Tag verteilt. Trotzdem muss auf eine ausreichende tierische Eiweißzufuhr geachtet werden. Der Hundehalter sollte den Welpen unnötiges Treppensteigen bzw. überhaupt häufige körperliche Belastungen ersparen, um die Gelenke während der Wachstumsphase zu schonen.


Anatolischer Hirtenhund:

  • Gewicht: 41 – 68 kg
  • Widerristhöhe: 66 – 79 cm
  • Herkunftsland: Türkei
  • Lebenserwartung: 12 – 13 Jahre
  • Pflegeaufwand: hoch
  • Zeitaufwand: hoch
  • Bewegungsdrang: hoch
  • Erziehungsaufwand: hoch
  • Besonderheiten: aufwendige Fellpflege, nur erfahrener Hundehalter

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